Es ist ein Thema, über das sich wohl jeder schon einmal Gedanken gemacht hat: Heiraten. Viele Leute haben genaue Vorstellungen, wo ihre Traumhochzeit stattfinden soll. In einem grossen Ballsaal, in einer Hütte mitten im Wald, in einem mittelalterlichen Rittersaal – oder eben in einem Raum, in dem sich selbst Prinzessinnen daheim fühlen würden. Letzteres steht den Paaren im Gebiet des regionalen Zivilstandsamts Bremgarten (siehe Spalte «Traulokale») seit dem 8. Dezember in Eg-genwil zur Verfügung. Dabei wussten das Wirtepaar Michael und Mathias Kunz so-wie Besitzerin Lydia Schürmann bei der Eröffnung am 22. September 2017 noch gar nichts von der Idee. Einer guten Freundin des Paars, Tessa Schneider, die selber die «Müli» Mülligen leitet und auch dort ein Traulokal beherbergt, und ihrer damaligen Auszubildenden Azemine Sedoli war sofort klar, dass das kleine Sternenstübli, das im Stil des venezianischen Barock gehalten ist, geradezu zum Heiraten gemacht ist. «Wir waren von der Idee begeistert», erinnert sich Michael Kunz strahlend. Und da auch Kanton und Gemeinde sich einverstanden erklärten, dür-fen nun zivile Trauungen und eingetragene Partnerschaften hier durchgeführt werden. «Eine Hochzeitssuite haben wir leider noch nicht, aber auch die ist in Planung», verrät Kunz.

Spiegel aus Schloss Fontainebleau

Eingerichtet hat das Zimmer noch der ver-storbene frühere Wirt Willi Schürmann, Vater von Lydia Schürmann, die gemein-sam mit Michael Kunz und Azemine Sedoli für die Hochzeiten verantwortlich ist. Schürmann hat damals eigenhändig den Stuck angebracht, der grosse Leuch-ter stamme aus England, den Spiegel habe Napoleon aus dem Schloss Fontainebleau mitgebracht und die Tischuhr sei ein Ge-schenk des französischen Königs an den deutschen Kaiser gewesen, berichtet Mi-chael Kunz. «Wir haben das nie überprü-fen lassen, aber so hat man es uns erzählt. So oder so, es ist wunderbar. Jedes Stück hat seine Geschichte.» Meisterwerk und Perle sind Worte, die er für das Sternen-stübli verwendet. Ursprünglich sei es das Kinderzimmer von Willi Schürmanns Bru-der gewesen, was man sich heute kaum mehr vorstellen kann.
Doch auch die weiteren Zimmer des vor vier Monaten wiedereröffneten «Sternen», der zuvor zwölf Jahre leer stand, dessen Grundmauern aber mindestens 400 Jahre alt sind, sprühen vor Geschichten. Bauernstübli und Gourmet-Stube im Parterre wie auch Sternenstübli und Sternensaal im ersten Obergeschoss sind alle völlig unterschiedlich, aber stilecht eingerichtet. «Wir haben nur etwas umdekoriert, aber die Möbel und alles darum herum konn-ten wir übernehmen. Darüber freuen sich sehr viele Leute, die den ‹Sternen› noch von früher kannten», so Michael Kunz.

Sein Tag hat mehr als 24 Stunden

Doch nicht nur über das Haus, sondern auch über das Sternenteam könnte man wohl Bücher schreiben. Die 23-jährige Azemine Sedoli ist beispielsweise in Ausbildung zur Hochzeitsplanerin, ein Beruf, den in den USA jeder kennt, der in der Schweiz aber noch wenig bekannt ist. Mathias Kunz ist Gourmet-Koch und sorgt für auserlesene Speisen vom Steak über Entenbrust bis zum Hummer. Und Michael Kunz ist nicht bloss Gastgeber im «Sternen», sondern dekoriert auch gerne selber, ist Eventplaner und arbeitet «nebenher» zu 80 % als Projektleiter beim Hochbauamt Zürich. Er hat Betriebswirtschaft, Sport und Jura studiert (nur Jura ohne Abschluss), ist Berufsschullehrer für angehende Sanitäre, war in Lenzburg Bar-Betreiber und FDP-Politiker und vieles mehr – sein Tag hat definitiv mehr als 24 Stunden, wie er lachend bestätigt.

«Et voilà. . .»

Am 7. 7. 2017 haben Michael und Mathias Kunz sich in der «Müli» Mülligen das Ja-Wort gegeben. Genau ein Jahr später haben sie bereits ihre zweite Hochzeitsfeierbuchung im «Sternen», allerdings noch ohne Trauung. «Manchmal erkennt man einfach, dass eine Macht da ist, die alles lenkt. Wir haben ein Restaurant gesucht, das wir gemeinsam übernehmen können, und fanden per Zufall bei einem Spaziergang den ‹Sternen›. Dass ich vor vielen Jahren mit meiner damaligen Frau und meinen Eltern hier war, die die Wirte kannten, und sagte, das wäre genau das Restaurant, das ich einmal führen möch-te. Et voilà. . .», fasst Michael Kunz strah-lend zusammen. «Wir haben sehr viel Geld investiert und hoffen nun, dass alles gut läuft. Denn wir haben schon Pläne für Hotelzimmer – darunter eine richtig kit-schige Hochzeitssuite – und einen Anbau mit Seminarräumen. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal über die Erlaubnis, ein Traulokal führen zu dürfen.»

Beitrag verfasst von: Andrea Weibel — az Aargauer Zeitung

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